04.05.2012

Session in Kooperation mit der Kreismusikschule - Special Guest: Stefan Golinski

Kreuzfahrt mit Schwung und Pep durch den Nachkriegsjazz (Video einfach anklicken!)

CELLE. Es war nicht unbedingt die Stunde der frühen Vögel, eher die der Nachtschwärmer, die den anfänglich spärlich besetzten Raum in Kunst&Bühne mit zunehmender Dämmerung draußen doch noch mit einem ansehnlichen Publikumszustrom füllte und darunter dann auch etliche Jazzkundige hereinspülte, die die Qualitäten des Sessiongastes Stefan Golinski richtig ein- und zu schätzen wussten, erinnert man den vorzüglichen Posaunisten doch hier noch als vormaligen Leiter der Bigband Celle (BBC).

 

Es wäre auch durchaus ein Versäumnis gewesen, sich diese von Neuer Jazzinitiative (NJIC) und Kreismusikschule (KMS) gemeinsam initiierte Jazzsession entgehen zu lassen. Denn entgegen der oft noch vorherrschenden Meinung, modernen Nachkriegsjazz schnell mit anstrengend anzuhören und leicht unverdaulich etikettieren zu müssen, konnte die 5-köpfige Combo mit einem flotten und melodisch-harmonischen Crossover mit funkigem Einschlag doch eher vom Gegenteil überzeugen - man denke nur an den Dolphin Dance mit blubbernd von den Gitarrensaiten abperlenden Tontropfen (Uli Wißmann),mit lang und sauber gezogenen Posaunentönen (Golinski) auf einem verschmelzenden Klangteppich von Piano, Bass und Schlagzeug, der wie Body And Soul die sanften balladeksen Seiten anklingen ließ.

 

Wie andererseits markige Knalleffekte, dröhnende Bässe im pushenden Rhythmus vorangetrieben (Erwin Kühn),  quirlig geschwinde Pianovariationen rauf und runter (Sigi Dresen) und flottes Saitenzupfen nach Wißmannscher Manier die furiosen Aspekte im Geschwindigkeitsrausch modulierten,  durch Stop Times und wirkungsvoll gesetzte Breaks sowie rhythmische Beckenklänge (Philip Dornbusch) mit noch größerer Spannung akzentuiert (Fly By Night).

 

Sowohl Eigenkompositionen des Hamburgers Sigi Dresen (Bluesible) und Stefan Golinskis (You know what) fanden hier Platz wie auch die Interpretationen bekannter Jazzer wie Dizzie Gillespie (Anthropology),  Herbie Hancock oder Thelonious Monk, letztere beiden sehr  ansprechend vertreten durch zwei Schüler: Julius Wellmann mit Blue Monk als Gitarrenduett, was ihm viel Beifall und anerkennendes Schulterklopfen seitens des begleitenden Lehrers Uli Wißmann einbrachte;  wie auch Paul Tollemer schon sehr sicher und selbstbewusst mit der ganzen Mannschaft im Rücken kommunizierte und mit Cantaloupe Island die Beherrschung komplizierter Gitarrenlinien unter Beweis stellte. Da war Schwung und Pep drin und das Publikum reagierte darauf auch begeistert und spontan.

 

Traute Klippel-Hißbach

Hier gibt es ein Video

 

 

Fotos zur Veranstaltung